Hey,

hier kommt dein Ordnungsletter im Februar. Viel Spaß beim Lesen🙂

Die kleine Selbstbedienungs-Rezeption

"Sag mal, wann ist der Brief hier angekommen?", fragt Franz seine Frau.
"Welcher Brief?", fragt sie.
"Der hier", Franz hält ihn hoch und wedelt damit in der Luft.
"Wo hast du den gefunden?"
"Unter den Mützen!" Die Betonung liegt dabei auf Mützen.

"Mh", wundert sich Angelika, obgleich es nicht auszuschließen ist, dass sie den Brief dort hat fallenlassen.
"Na ja, jetzt hat er ja zu dir gefunden", sagt sie mit einem Lächeln. 

"Ich hab auch ne Frage: 'Hast du meine Schlüssel gesehen?'"
"Du und deine Schlüssel, und dein Handy. Immer ist irgendwas weg." Angelika schaut unschuldig und zuckt mit den Schultern.
"So bin ich halt. Immer ein bisschen zerstreut."
"Bist du denn glücklich damit?", fragt Franz eindringlich.
"Ich, äh, würde mich schon freuen, wenn mir das Durcheinander nicht immer hinterherrennt."
"Verstehe", sagt Franz nachdenklich.

Einige Tage später trifft Franz sich mit ein paar Freunden und irgendwie kommt das  Thema Ordnung auf. Das Briefbeispiel – es war eine Rechnung, die sich bereits seit drei Wochen unter der Mütze versteckt hatte – passte da genau in die Runde.

"Das könnte auch ich sein", gesteht Michael. "Mir rennt die Unordnung auch hinterher."
"Ach, dann ist bei euch also die Unordnung schuld?", stellt Christian fest. Er ist Psychotherapeut und kennt sich daher aus, mit 'unerwünschtem Verhalten'.

"Dann schick die Unordnung doch mal zu mir", schlägt er vor. "Ich schau mal, ob es bei ihr etwas aus der Kindheit aufzulösen gibt, damit sie das Hinterherrennen in Zukunft lässt."
Franz muss lachen. Michael eher nicht, leistet aber auch keine Widerworte.

"Okay", spricht Christian nach kurzer Schweigepause in die Runde: "Offenbarung!"
Alle schauen Christian gespannt an.
"Ich hab mal einen Ordnungscoach zum Aufräumen gebucht." Alle schweigen.
"Ja, ich hab es auch immer wieder mit Unordnung zu tun."
"Und was hat der dann gemacht?", fragt Michael.
"Er hat echt eine großartige Grundstruktur geschaffen, die ich jetzt ganz schnell wieder herstellen kann. Genial. Hätte ich so nicht alleine hinbekommen."

"Hast du ein Beispiel?", fragt Franz.
Christian überlegt: "Das könnte zu deinem Brief passen. Die Eingangsbox und die Ausgangsbox direkt neben dem Hauseingang."
"Was ist das?", fragt Michael.
"Alles, was von draußen reinkommt, landet sofort in der Eingangsbox."
"Und alles was rausgeht in der Ausgangsbox", ergänzt Michael nickend.
"Darunter hängen die Schlüssel und unsere Tagesrucksäcke, jeder an seinem Haken." Christian schaut stolz in die Runde.
"Wie ne kleine Selbstbedienungs-Rezeption", stellt Franz fest.

"Selbst die Kinder haben das gleich mitgemacht. Im Flur liegt nichts mehr rum."
"Darauf muss man erstmal kommen", stellt Michael fest.
"Nebendran hat er eine Poststation eingerichtet. Im Handumdrehen ist ein Päckchen gepackt und in den Ausgang gelegt", sagt Christian.
"Das öffnet ja Tür und Tor für reges Online-Shopping", wirft Franz ein.
"So ist es", Christian nickt. "Sie hat nicht nur Vorteile, diese Ordnungsidee."

"Na dann auf zur Umsetzung. Wenn vermehrtes Online-Shopping die einzige Nebenwirkung ist; damit kann ich leben."
Franz scheint sichtlich erleichtert. Er klopft Christian auf die Schulter.
"Danke dir."

Herzliche Grüße

Dirk

PS: Vielleicht interessiert dich das auch?

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Ordnung in der Tiefe

Dirk Brueckner
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