"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.Und es wird immer mehr.” Tom steht frustriert in der Tür unseres kleinen Haus-WG-Co-Working-Spaces. “Ich hab das Gefühl, je schneller ich arbeite, umso mehr kommt hinzu!” “Mh”, sag ich, denn tolle Ratschläge sind jetzt fehl am Platz. “Dir wird deine Arbeit gerade zuviel”, sage ich. “Ja, genau”, erwidert Tom. “Das kommt bei mir an”, sag ich und nicke verständnisvoll. Ich schau ihn an. “Und das passt dir überhaupt nicht.” “Das kannst du laut sagen.” “Kein Problem: UND DAS PASST DIR ÜBERHAUPT NICHT.” Tom schaut überrascht. So laut hatte er es wohl nicht erwartet. “Das kann ich gut verstehen”, sag ich nach kurzer Pause. “Wer wünscht sich das nicht, Entlastung, sich freuen können, wenn etwas erledigt ist.” “Stattdessen gibt’s zur Belohnung zwei neue Aufgaben”, fügt Tom deutlich milder hinzu. “Das ist total blöööd.” “Ich würde sogar so weit gehen”, sage ich, “dass es total sch*** ist!” Tom muss lachen. “Ja, totale Sch***.” “Jetzt müssen wir nur noch jemanden finden, der Schuld hat und dem ziehen wir dann die Ohren lang”, schlage ich vor. Wir müssen beide lachen. "Hast du ne Idee, wie ich aus dem Schlamassel rauskomme?”, fragt Tom sichtlich entspannter. “Also ich schreib mir alle Aufgaben erst einmal in meine To-do-Liste. Alle Aufgaben, die kein Notfall sind, müssen bei mir erst in die To-do-Liste.” “Davon wird es ja noch nicht weniger”, stellt Tom kritisch fest. “Ich habe da drei Kategorien eingeführt, die mir zeigen, was zuerst dran ist.” “Da bin ich gespannt.” Tom schaut mich neugierig an. “Frage 1: Wie wichtig ist mir diese Aufgabe”, beginne ich. “Wie, wichtig?” “Na, was bringt dich voran in deinem Leben? Was ist dein Fokus, aktuell?” “Okay. Also, das Buch schreiben und meine Selbständigkeit ausbauen”, stellt Tom fest. “Perfekt”, bestätige ich. “Nun Frage 2: Wie dringlich ist das Ergebnis dieser Aufgabe? Da hängt auch gleich die Dritte dran: Gibt es eine Deadline?” Tom überlegt. “Und jede Aufgabe schreibe ich mir in die Liste?”, versichert sich Tom. “Jede Aufgabe muss durch diese Bewertung durch.” “Und dann?”, fragt Tom. “Wichtige und dringliche Aufgaben kommen dann zuerst dran. Alle anderen Aufgaben reihen sich ein.” “Die erledigten Aufgaben streiche ich dann einfach weg”, sagt Tom eher zu sich selbst. “Das könnte funktionieren.” Vor Toms Auge formt sich soeben diese Liste, die er ‘Einfach machen’ nennen will. “Ich habe noch eine Spalte am rechten Rand, wo ich den Status der Aufgabe eintrage: ‘offen’; ‘i.A.’ (in Arbeit) und ‘ok’”, ergänze ich. “Da bin ich mal gespannt, ob das funktioniert.” “Mit der Aufgabenliste ist auch die Einladung verbunden, die Aufgaben gut genug aber nicht perfekt zu machen”, fällt mir noch ein. “Ja, ich glaube, das ist die größte Herausforderung”, gibt Tom zu. “Ja, der Perfektionswahnsinn. Wer den im Griff hat, der hat gewonnen. Einmal nicht aufgepasst und schon ist ne halbe Stunde vorbei, bis die E-Mail fertig ist.” Tom zeigt auf mich. “Genau! Als ob du bei mir daneben gesessen hast.” “Dafür trage ich bei manchen Aufgaben ein Zeitlimit ein. ‘1 Std.’ oder so. Die Herausforderung ist dann, diese Aufgabe in einer Stunde erledigt zu bekommen.” “Ich berichte über erste Ergebnisse”, sagt Tom motiviert. “Gleich heute gehts los mit der Einfach-machen-Liste.” |