Hey,

hier kommt dein OrdnungsLetter im Juni. Viel Spaß beim Lesen🙂

Mokka und das neue Zuhause

Was bisher geschah:
Als ich mir neulich Kaffee machen wollte, stellte sich heraus, dass meine Lieblingskaffeetasse mehr Persönlichkeit hatte, als ich mir je hätte vorstellen können.
Mokka ist unzufrieden mit seiner überfüllten “Zweck-WG” und hält kein Blatt vor den Mund, als er mir mitteilte, dass er sich ein anderes Zuhause wünscht.

***

Ich schaue in den Schrank und stelle fest, dass dort wirklich wenig Platz für die Tassen ist.
“Und was nun?”, frage ich Mokka.
“Am liebsten stehe ich ja neben der Kaffeemaschine.”
“Auf keinen Fall”, sage ich. “Was wäre, wenn ich die Teller…”
“...rausschmeiße?”, fragt Mokka.
“Nein, natürlich nicht!”, sage ich schnell.
“Ja, was dann?” Mokka schaut erwartungsvoll.
“Kann ich darüber nachdenken?”, frage ich.
“Morgen! Gleicher Ort, gleiche Zeit.”, bestimmt Mokka.
Ihm scheint es ernst zu sein. Ich nicke.
Stille.

Hab ich mir das jetzt eingebildet? Kopfschüttelnd gehe ich ins Wohnzimmer, öffne die Terrassentür, lege mich auf die Wiese und schau in die Wolken. Gleichmäßig ziehen sie dort oben entlang. Eine Herde Wolken, die von aufregend zwitschernden Vögeln schnell überholt wird.
Was sagen die wohl?

Spät am Abend stehe ich in der Küche. Stille.
“Schlafen alle?”, frage ich mich.
Wenn ich für die Teller einen anderen Ort finde, hätten die Tassen dann genügend Platz.
Ich öffne die Schranktür, nehme behutsam die Teller raus, die leise klirren.
"Braucht es wirklich alle Tassen?", frage ich mich leise.
Drei nehme ich draus, die anderen verteilen sich entspannt im frei gewordenen Raum.

Und Mokka? Irgendwie mag ich diese Tasse, gefüllt mit duftenden Kaffee am morgen.
Ich schaue zur Kaffeemaschine rüber. Eine kleine Ablage vielleicht? Über der Maschine? Für den Kaffee, vielleicht zwei Tassen, ein paar Kaffeelöffel?

Am nächsten Tag naht das Treffen mit Mokka.
Vorsichtig schaue ich in die Küche. Nichts.
Doch auf einmal höre ich ein: “Pünktlich, pünktlich.”
Ich schrecke kurz zurück, doch dann frage ich: “Was ist daran so erstaunlich?”
Keine Antwort. Dafür fragt Mokka: “Und, gibt’s was Neues zur Wohnsituation?”
“Ja”, sage ich. “Schau mal.” Ich öffne den Schrank und Mokka schaut nach oben. Ein paar Tassen winken begeistert herunter. Mokka winkt beschwichtigend.

“Und für dich hab ich ne andere Idee”, sage ich.
“Lass hören.”
“Eine Ablage, direkt über der Kaffeemaschine, mit freier Sicht in die Küche.” Ich warte gespannt auf seine Reaktion.
Und da sehe ich das erste Mal ein freudiges Lächeln auf seinem Gesicht. Mokka nickt zufrieden.
“Und das Beste kommt noch”, sage ich. "Du und ich, wir suchen für dich eine zweite Tasse aus."
"Eine zweite Tasse?", fragt Mokka skeptisch.
"Falls du mal duschen bist oder mit den Tellern quatschen willst. Weniger Stress, mehr Unterhaltung", preise ich meine Idee an.

Mokka scheint skeptisch gibt aber keine Widerworte, was ich als einen Sieg verbuche.
Später sägt, bohrt und hämmert es in meiner Küche und Mokka schaut aufgeregt zu, wie sein neues Zuhause Form annimmt.
"Lieber hier vorn", sagt er als die Bauarbeiten fertig sind. "Nein, lieber weiter hier drüben."
Kurze Zeit später hat er seinen Platz gefunden und lächelt zufrieden von seinem Balkon.
Ich könnte schwören, dass die Teller etwas neidisch drein schauen. Doch wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein.

Sonnige Junigrüße 🌞

Dirk

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Dirk Brueckner
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