Mokka und die Neue
Was bisher geschah: Als ich mir neulich Kaffee machen wollte, stellte sich heraus, dass meine Lieblingskaffeetasse mehr Persönlichkeit hatte, als ich mir je hätte vorstellen können. Mokka ist unzufrieden mit seiner überfüllten “Zweck-WG” und mir bleibt nichts anderes übrig, ihm ein neues Zuhause zu bauen. In seiner Panoramawohnung ist er nun zwar der König in der Küche, langweilt sich aber. Daher beschließe ich, ihm eine Partnerin zu suchen.
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“Let’s go!”, sage ich zu Mokka. “Jetzt?”, fragt er und lässt sich von mir die letzten Wassertropfen vom Bauch wischen. “Jetzt”, sage ich und packe Mokka in die Tasche. Dann ziehe ich Schuhe und Jacke an, schnappe mir das Rad und fahre zum Samstagsmarkt, wo es neben frischem Gemüse auch Keramik hat. Und einen leckeren Bio-Kaffee im Becher “to-go”. “Du glaubst wohl, ich sehe das nicht?”, faucht Mokka aus meiner Tasche. “Was siehst du?” “Na, dass du mit diesem Billig-Becher Kaffee schlürfst.” “Soll ich dich etwa…” “Warum denn nicht?” Ich hole Mokka aus der Tasche und fülle den Kaffee um. “Oh, Latte Machiato, der feine Herr.” Ich ignoriere das und gehe schnurstracks zu einem dieser Keramikstände.
“Seit gegrüßt, Freunde”, höre ich Mokka in mildem Ton sagen. “Wollt ihr euch etwas Kennenlernen?”, frage ich. “Es reicht, wenn du mich nicht so anfasst, als ob ich etwas Gefährliches wäre”, flüstert Mokka und lächelt zu den Fremden rüber, die neugierig äugen. Ich greife mit dem Daumen durch den Henkel und umschließe die Tasse. Mokka macht es sich gemütlich und genießt den Ausblick.
Mir fällt eine rötliche Tasse ins Auge, die geschwungene weiße Streifen hat. “Denk nicht mal dran”, raunt Mokka mir zu. Wir gehen weiter. Hinter dem nächsten Kaffeewagen sieht es nach Strand und Meer aus. Auch hier gibt es artenreich Geschirr.
Aus einem Regal schaut kek eine Tasse herunter. Die hellgraue unbehandelte Keramik geht im oberen Teil der Tasse in ein helles blau über. Zwei kleine, weiße geschwungene Striche erinnern an Möven. Die Tasse neigt sich leicht zu einer Seite, wie vom Sturm schief gedrückt. Mokka wird plötzlich sehr unruhig. “He pass auf!”, sage ich, als ein bisschen Latte über den Rand schwappt. “Sorry.” Ich trete näher ans Regal und schaue mir die windschiefe Tasse an. “Was sagst du?, frage ich Mokka. Der stammelt irgendwas unverständliches. “Warum so schüchtern?”, frage ich gedankenlos und stelle ihn mit Schwung ins Regal. Ein kleiner Schluck Kaffee schwappt erneut über den Rand und trifft die Tasse mit den Möven. “Hoppla.” “Sorry. Tut mir leid?”, entschuldige ich mich bei der windschiefen Tasse. Mokka murmelt irgendwas und schaut peinlich berührt zu mir und dann verlegen zu der Tasse rüber.
“Ich bin Latte”, sagt sie und schaut Mokka freundlich an. Der schaut verlegen zu boden. Dann winkt sie mir kurz zu. Bevor Mokka vor Nervosität noch einen Sprung bekommt, nehme ich ihn wieder vom Regal. “Darf ich”, frage ich Latte. “Nur zu.” Ich nehme vorsichtig die Tasse aus dem Regal und betrachte sie von allen Seiten. “Latte”, sage ich zu mir selbst. “Windschiefer Kaffee am Meer. Hat was.” “Ein Hingucker”, ergänzt Latte. “Was sagst du?”, frage ich Mokka. Der ist mir keine Hilfe aber sein Gestammel werte ich mal als ein JA. “Wie heißt du?”, fragt Latte. “Mokka.” Gut geht’s dir mit ihm”, sagt sie und zeigt auf mich. Mokka nickt verlegen. “Können wir mal…?, flüstert mir Mokka zu und deutet an, weitergehen zu wollen. Ich stelle Latte ins Regal zurück. “Schön euch kennengelernt zu haben”, ruft sie uns nach und winkt freundlich.
“Was war das denn?”, frage ich. “Was meinst du?” “Komm schon!”, sage ich. “Na ja. Sie, sie…” Schweigen. “Du magst sie?”, frage ich. “Irgendwie schon.” Ich bleibe stehen, setze Mokka auf eine kleine Mauer und hocke mich direkt davor: “Ich finde sie auch süß. Aber fragen musst du, ob sie bei uns…” Mokka atmet tief durch. Dann schaut er mich zögerlich an. “Okay.” “Für mich auch”, sage ich. “Aber wenn sie nicht will, ist das auch in Ordnung.” Mokka nickt. “Gut, dann los.”
Zurück am Stand stelle ich Mokka auf’s Regal und verwickle die Verkäuferin in ein belangloses Gespräch. “Warum schaust du immer auf die Tassen?”, fragt die Verkäuferin. “Ich, ich frage mich, ob sie zusammenpassen", antworte ich. Sie schaut. “Ich denke schon.” “Das reicht leider nicht”, murmle ich vor mich her. “Was?”, fragt sie. “Äh, ja, klar, also weiß noch nicht.”
Dann regt sich was im Regal und Mokka deutet an, ich solle… “Ich schau nochmals genauer”, sage ich zur Verkäuferin. “Was nun?", frage ich leise. Die Verkäuferin schaut suspekt: “Alles okay?” Ich nicke lächelnd und kratze mich am Hinterkopf. “Ja oder nein?”, flüstere ich möglichst unauffällig. “Ja”, flüstert Latte kichernd.
Na Gott-sei-dank!, denke ich als die Verkäuferin Latte in Papier einschlägt. Skeptisch gibt sie mir die Tasse. Vielen Dank”, sage ich und bin im Begriff zu gehen. “Eh!”, ruft es. “Oh, sorry”, sage ich und nehme Mokka vom Regal. Die Verkäuferin lehnt sich über den Ladentisch und schaut suchend in meine Richtung. “Alles prima, danke nochmals”, sage ich im Gehen. Sie schüttelt ungläubig den Kopf.
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