Mein Fixstern, meine Orientierung im Leben
"Warum ist Aufgabenplanung so geil?", fragt Julia. Wir sitzen im Garten. In der Ferne blökt ein Schaf. Der laue Abendwind und das knacken des Feuers gesellen sich hinzu."Keine Ahnung." Ich zucke mit den Schultern. "Irgendwie habe ich da immer Widerstände, das alles aufzuschreiben, zu bewerten und, naja, eben all dieses Planen und so", sagt sie. "Ich versteh's irgendwie nicht."
"Mmh." Ich schaue ins tanzende Feuer, nippe am Eistee, den Hanna neulich aus Gartenkräutern gezaubert hat. "Ich weiß nicht, ob dieses Aufgabenplanungsspiel so 'geil!' ist", sage ich. "Aber, es ist schon spannend, all die Entscheidungstools anzuwenden und zu beobachten, wie das Umfeld reagiert." "Macht dir das wirklich Spaß?", fragt Julia. Das Schaf in der Ferne hat seine Rufe eingestellt. Es dämmert.
"Um ehrlich zu sein, ich habe das mit der Aufgabenplanung lange nicht gut hinbekommen", gestehe ich. "Ach nee." "Naja, irgendwie hat sich das wie unnütze, zusätzliche Arbeit angefühlt", sage ich. "Ja! So geht's mir auch", Julia nickt emsig mit dem Kopf. "Es ist doch viel einfacher 'nen Zettel zu schreiben. So hab ich doch auch alles im Blick." "Immer?", frage ich. "Meistens", gibt Julia zu. "Nichts spricht gegen die Zettelplanung, solange du nicht all zuviel zu tun hast." Julia legt ein Scheid Holz ins Feuer. "Doch sobald es etwas mehr wird, bricht die Zettelplanung zusammen und du hetzt den Dingen nur noch nach. Oder?", argumentiere ich. "Ja. Schneller arbeiten bringt dann nichts", weiß Julia zu berichten. "Und genau an diesem Punkt wird es spannend, die Aufgaben genauer unter die Lupe zu nehmen", sage ich. "Halt alle an einem Ort aufschreiben und das Ganze." Julia atmet tief durch.
"Mir ist erst kürzlich noch viel klarer geworden, wie sehr dein Fixstern bei dieser Aufgabenbewertung eine Rolle spielt", sage ich. "Fixstern?", fragt Julia. "Kommst du mir jetzt mit Astrologie?" "Dein Fixstern repräsentiert dein WARUM im Leben", erkläre ich. Julia schaut verwirrt.
"Neulich ist mir dieses Buch, Big Five for Live, wieder in die Hände gefallen. Es geht um die fünf Dinge, die du in deinem Leben vollbringen möchtest", sage ich. Julia schüttelt mit dem Kopf. "Big Five for Live, Fixstern. Wir sprechen aber schon noch von den lästigen To-dos, oder?" "Ich hab mir die Big Five nochmal für mich aufgeschrieben. Plötzlich war alles super einfach, die Prios für die Aufgaben zu finden." "Wieso?", fragt Julia. "Sie hängen mit der Frage nach der Wichtigkeit einer Aufgabe zusammen." "Was waren nochmal diese Bewertungs-dingsta...?", überlegt Julia. "Aufgabe benennen und beschreiben ist klar", beginne ich. "Jeap, ist klar." "Dead line, wichtig 1–10, dringlich 1–10, Zeitrahmen." "Ah ja. Ich erinnere mich." Julia nickt. "Dann noch, wer macht's und fertig", ergänze ich. "Verstehe, verstehe." Julia blickt in die Ferne, ein Zeichen, dass es in ihr arbeitet.
"Aber, 'geil!' ist es immer noch nicht, oder?" Typisch Julia. "Der Kick kommt dann ins Spiel, wenn du deine Big Five wirklich ernst nimmst und die so genannten Pflichterfüllungen, die von außen kommen, zurück stellst."
"Ich wollte schon immer dieses Natur-Seminarhaus eröffnen", sagt Julia. "Dann schau doch mal, wieviele deiner aktuellen Aufgaben dich dorthin führen." Julia überlegt. "Wenn ich das machen würde. Oh my God! Dann kann ich diesen kleinen Nebenjob direkt kündigen." "Und, was noch?", frage ich. "Ja, viele Aufgaben wären dann gestrichen, würde ich vermuten. Das enttäuscht aber auch einige Menschen", stellt Julia fest. "Einer sagte mal", überlege ich. "Wenn du wirklich nach Erfüllung und Glück im Leben suchst, dann kannst du dir den Luxus nicht leisten, dir darüber Gedanken zu machen, was Andere dazu sagen." "Das ist radikal", stellt Julia fest. "Nur für die, die glauben, von dir abhängig zu sein. Echte Freunde verstehen das, unterstützen dich auf diesem holprigen Weg."
Julia nickt. Das Feuer knackt. Ein paar Mücken sind auf Beutezug. "Wenn du deinem Fixstern, deinen Big Five wirklich folgst, dann ist deine Aufgabenplanung das, was deinen Weg dorthin formt. Mit den richtigen (also wichtigen) Aufgaben gehst du diesen Weg, Schritt für Schritt." In Julia arbeitet es. Sie nickt. "Das ist ziemlich anders, als das was ich jetzt so mache, Tag ein, Tag aus." "Das gibt dir dieses berauschende Gefühl, wie früher als Kind, wo du mit Freunden was Neues entdeckt hast. Wo ihr gemeinsam auf einer Mission gewesen seit."
Ich stochere im runtergebrannten Feuer. Grillen zirpen. Der Mond ist aufgegangen. Wir schweigen. "Ja, das ist geil", sagt Julia etwas leiser.
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