Das nervt einfach und...
Es ist ein warmer Nachmittag. Der Kirschbaum steht in voller Blüte. Der Tisch darunter auch. Allerdings nicht mit Tee oder Kaffee, sondern mit Laptops. Und das allein ist schon ein Problem.
„Ich hasse das“, sagt Julia. „Du hast noch nicht mal angefangen“, erwidert Michael. „Ich hasse schon die Idee davon.“ Hanna klappt ihren Laptop auf, starrt auf den Bildschirm und klappt ihn wieder zu.
„Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll.“ Alex lehnt sich im Stuhl zurück. „Ich weiß genau, wo ich anfangen müsste.“ Pause. „Ich mache es nur nicht.“
In diesem Moment kommt Dirk den Weg entlang. Er bleibt stehen, schaut auf den Tisch, auf die Gesichter und grinst. „Ah“, sagt er. „Die jährliche Selbständigen-Selbsthilfegruppe.“ „Nicht lustig“, sagt Julia. „Doch“, sagt Dirk. „Ein bisschen schon.“ Er setzt sich dazu. „Was ist das Thema?“ „Steuer“, sagt Michael trocken. Dirk nickt langsam. „Das große S-Wort.“
„Ich verstehe nicht, warum ich das immer auf den letzten Drücker lasse“, sagt Hanna. „Es ist ja nicht schwer-schwer.“ „Doch“, sagt Julia. „Es ist emotional schwer.“ Dirk hebt eine Augenbraue. „Erklär.“ Julia zählt an den Fingern ab: „Keine Lust.
Angst, was falsch zu machen.
Und…“ sie schaut auf den Laptop, „es fühlt sich einfach… sinnlos an.“ Dirk lehnt sich vor. „Okay. Ehrliche Frage: Was genau nervt denn?“ „Zahlen“, sagt Julia sofort.
„Unklarheit“, sagt Hanna. „Verantwortung“, sagt Michael. Alle schauen zu Alex. Er zuckt mit den Schultern. „Ich würde sagen, Konsequenzen.“ Dirk nickt: „Ihr habt keine Lust auf Buchhaltung, weil sie euch mit drei Dingen konfrontiert: Realität, Verantwortung und euch selbst.“ Stille. „Oh ha!“, sagt Julia. Hanna schaut Dirk an. „Und was, wenn ich wirklich etwas falsch mache?“ Dirk zuckt leicht mit den Schultern. „Dann korrigierst du es.“ „So einfach?“ „Meistens ja.“ Er lächelt. „Das Finanzamt ist nicht der Feind. Eher… ein sehr strukturierter Mitspieler.“ Michael lacht. „Mit sehr langen Antwortzeiten.“ „Und wenig Humor“, ergänzt Alex.
Dirk nickt. „Aber Fehler sind kein Weltuntergang. Aufschieben schon eher.“ „Ich glaube“, sagt Dirk, „das Problem ist gar nicht die Buchhaltung.“ „Sondern?“ fragt Julia. „Eure Beziehung zu Geld.“ Stille. „Ich hab eine gute Beziehung zu Geld“, sagt Michael sofort. Alle schauen ihn an. Hanna lächelt. „Du gibst es gern aus.“ Alex protestiert: „Das zählt nicht.“
Dirk schaut in die Runde. „Was habt ihr als Kinder über Geld gelernt?“ Julia überlegt. „Dass man vorsichtig sein muss.“ Hanna leise: „Dass es nie ganz reicht.“ Michael: „Dass man hart dafür arbeiten muss.“ Alle schauen zu Alex. Er zögert kurz. „Dass es irgendwie… unangenehm ist, viel davon zu haben.“ Stille. „Und genau diese Sätze sitzen jetzt mit euch am Tisch“, sagt Dirk. Er tippt auf den Laptop. „Buchhaltung ist nur der Moment, in dem sie sich lautstark melden.“
„Ich hab da übrigens was gebaut“, sagt Dirk beiläufig. Alle schauen ihn an. „Natürlich hast du das“, sagt Michael. Dirk grinst. „Co-Working. Für genau das.“ „Für Steuer?“ fragt Hanna. „Für dransetzen“, sagt Dirk. „Gemeinsam. Mit Struktur. Mit klaren Schritten. Und jemandem, der euch sagt: Du bist gerade genau richtig.“ Julia wird aufmerksam. „Also nicht alleine vor diesem…“ sie zeigt auf den Laptop, „Abgrund?“ „Gemeinsam am Tisch sitzt ihr ja schon“, sagt Dirk. "Jetzt braucht es noch Struktur und jemanden, der euch die kleinen und größeren Fragen gleich beantwortet." Alex nickt langsam. „Das wäre natürlich super. Dann geht alles auch viel schneller voran.“
Michael schaut skeptisch. „Und das funktioniert?“ "Ausproblieren", schlägt Dirk vor. Ein paar Tage später sitzen alle wieder am Laptop. Diesmal sind die Teil einer Zoom live Gruppe, zu der auch eine Steuerberaterin gehört. "Viel Spaß beim Zahlenspiel", sagt sie und alle beginnen mit der Arbeit. Nach fünf Minuten ist es still. Nach zehn Minuten fragt Hanna etwas und bekommt auch gleich die Antwort. Nach fünfzehn Minuten lacht Michael. Nach zwanzig Minuten ist nichts perfekt aber alles sind mitten in der Umsetzung. Der Timer klingelt. Eine Stunde ist um. Echt, jetzt schon?", fragt Michael verwundert.
Julia lehnt sich zurück. „Okay, das war nicht schlimm.“ Alex nickt. „Eigentlich sogar gut.“ „Wisst ihr“, sagt Dirk, „Buchhaltung ist wie Aufräumen, nur mit Zahlen.“ „Und wer seine Zahlen kennt, hat auch viel weniger Angst vor seiner Zukunft“, stellt Hanna fest. Unter dem Kirschbaum geht die Arbeit weiter. Und irgendwo zwischen Blüten, Laptops und halb sortierten Belegen fühlt sich Unternehmertum plötzlich ein kleines bisschen leichter an.
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