Wie die Dinge eben sind, oder doch nicht?
Wir Menschen erschaffen uns Räume, um unser Leben zu unterstützen. Die Küche für’s Kochen, das Büro etc. Weiter nutzen wir Gegenstände, die uns bei dem unterstützen, was wir tun. Hast du jemals darüber nachgedacht, deine Dinge zu fragen, was sie brauchen, damit sie dir bestmöglich dienen können? Ich nicht, bis das Folgende geschah.
Alles fing damit an, dass mir eines Tages auffiel, dass meine Kaffeetasse immer irgendwo rumstand. Natürlich war mein erster Gedanke, dass ich mal wieder alles stehen lasse. Doch dann fiel mir auf, dass die Küche und auch der Rest der Wohnung eigentlich ordentlich aussahen. Und mir fiel weiter auf, dass diese Kaffeetasse mich irgendwie komisch anschaute, als wolle sie mir etwas sagen.
Als mein Blick etwas länger auf die Tasse verweilte, hörte ich es zum ersten Mal. "Ich finde mein Zuhause richtig Kacke." "Wie bitte?!", fragte ich verdutzt. "Na da, wo ich wohne, dort oben im Schrank, mit all den anderen Pappnasen. Wir sind 13 und hausen in einem winzigen Zimmer, übereinander und hinter den Tellern. Wie doof ist das denn?"
Ich musste mich setzen und hätte jetzt eigentlich einen Schluck Kaffee getrunken. Aber ganz sicher nicht aus dieser Tasse. Ich schüttete den restlichen Kaffee weg, spülte die Tasse aus und stellte sie zum trocknen hin. "Schönen Dank auch!" hörte ich es jetzt von der Spüle herüberrufen. Ich erschrak. Das bildete ich mir ein, ganz sicher! Und trotzdem habe ich schnell mal die Tassen durchgezählt, bevor ich zurück an den Schreibtisch ging. Tatsächlich. Es sind 13.
Später am Tag machte ich mir in der Küche was zu essen. Da hörte ich auf einmal ein Wispern, ein leises Tuscheln im Geschirrschrank. Als ich ihn öffnete, verstummte es. Ich stand stumm und still vor dem offenen Schrank. "Die Teller 'meeten' mal wieder. Totlangweilig." Ich schaute zur Tasse rüber, die noch immer auf der Spüle stand. "Das kann nicht sein", sagte ich entschlossen zu mir. "Wieso?”, fragte die Tasse. “Nur weil du nicht hinhörst, bedeutet das ja nicht, dass wir nichts zu sagen haben." "Dinge sprechen nicht!", gebe ich zur Antwort. "Oder Menschen hören nicht", erwiderte die Tasse. "Na, wer hat jetzt recht?" Mir gehen die Argumente aus. "Und jetzt willst du mir womöglich sagen, dass du einen Namen, Familie und ein Hobby hast?" Kurzes Schweigen.
"Ich heiße Mokka. Familie, ja, aber die leben woanders. Vielleicht erinnerst du dich", spricht es wieder in diesem provokanten Ton. “Woran erinnere ich mich?” "Du hast damals auf diesem Markt nur mich gewollt, obwohl da noch andere, meine Brüder und Schwestern, standen." Ja, ich erinnere mich langsam. "Ihr…, ihr ward ja auch reichlich teuer", pampte ich zurück. "Gutes hat seinen Preis." "Ich habe mich damals wohl auch für den Vorlautesten entschieden, ohne es zu wissen", kontere ich geschickt. Wieder ist eine Weile Ruhe.
"Ein Hobby habe ich im Übrigen nicht. Meine Wohnverhältnisse in dieser Zweck-WG kennst du ja. Was soll ich da machen, das Freude bringt?" Vorwurfsvoll schaut mich Mokka an. Ich schaue in den Schrank und stelle fest, dass dort wirklich wenig Platz für die Tassen ist. “Und was nun?”, fragte ich Mokka. Schweigen. |