Teil 1: Was es so denkt
Malchiner See heißt das hier, wo ich zwei Paddlern nachschaue, die gerade aufgebrochen sind, begleitet von drei Möwen. Ich bin auf dem Weg zur Ostsee. Mein Zuhause ist das Auto, Fahrrad auf dem Dach. Soweit passt der Minimalismus. Und trotzdem muss ich aufräumen, meine Gedanken. Deshalb mach ich Urlaub mit mir selbst.
Im Oberstübchen ist viel zu viel los. Die halbfertigen Ideen, endlos kopierte Gedanken, Zweifel und ein paar Sorgen stapeln sich überall. Jetzt sitze ich also an diesem See, ein Stück Erdbeerkuchen, Kaffee und ein akzeptabler Ausblick.
Das Ostseewelle-Radio hätte die Frau vom Strandcafé nicht unbedingt anmachen müssen. Also, ich nenne das einfach mal "lebendig", dass sie auch noch alle Tische um mich herum abwischt und die Stühle rückt. Schwamm drüber. Es ist was ist. Die Gedanken sortieren, oder besser ausmisten. Darum geht es auf dieser Reise.
Gestern hab ich mich am Plauer See – auch schön – aufs Rad geschwungen. Kurze Zeit später habe ich mich anständig im Wald verfahren und kämpfte mich immer tiefer ins Waldliche, bis es neben mir grunzte. Das beflügelte mich dann sehr, den Wegfehler anzuerkennen und mich zurück zu kämpfen. Meine Gedanken rund um Wildschweinangriffe machten im Oberstübchen direkt Randale und ich habe sie schon mal lauf schreiend entsorgt. Die Schweine waren dann auch weg.
Wie geht das eigentlich, die Gedanken ausmisten? Auf dem Campingplatz fällt mir auf, dass ganze Wohnlandschaften aufgebaut wurden. Sogar ein aufblasbares, auslandendes Sofa stand auf der Wiese. Aufblasen?! Nein, kleine Luftkompressoren schnurrten vor sich hin und liesen die Formen langsam erkennen. Am Abend zischte dann das Fleisch auf dem Grill, umrankt von blinkenden LED-Lichterketten.
Ich glaube all diese Gedanken und Analysen kann ich mit gutem Gefühl entsorgen. Das macht schon mal recht viel Platz im Oberstübchen.
Meine Begleitlektüre für das Ausmisten ist übrigens "Kummer aller Art" von Mariana Leky. Da ging es beiläufig um Bruder Innerlich, zu dem man Kontakt aufnehmen sollte. Manche behaupten, das ginge mit Meditation. Keine Ahnung, aber ich habe den Verdacht, dass die Ab- oder Anwesenheit von diesem Bruder Innerlich etwas mit meinem Ausmisten zu tun hat.
So weit der Stand der Ermittlungen. Ich fahre jetzt mal weiter und genieße den Gedanken, dass heute ein schöner Tag wird. Der bleibt auf jeden Fall im Oberstübchen und bekommt dort einen festen und prominenten Platz. |