Was haben Bäume und Bücher gemeinsam? – Blätter Der Herbst sagt den Bäumen: Lasst los. Und mit dieser Geschichte sage ich es zu dir.😉
“Der erste kalte Tag”, stellt Alex fest. Draußen stürmt es. Regen peitscht gegen die Scheibe. Die Äpfel halten sich mit aller Kraft am Baum fest. Die Birnen hingegen stürzen sich in die Tiefe und landen weich auf dem Rasen. “Bald fallen die Blätter”, stellt Dirk fest. “Zeit fürs Loslassen." “Der Herbst ist Hochsaison für dich, stimmt's?", fragt Julia, die es sich in der Küche auf der Couch bequem gemacht hat. Alex hantiert mit dem Kaffeemaker herum. Alle hoffen auf baldige Ergebnisse.
“Was wollen wir denn loslassen?”, versucht Hanna die Wartezeit zu überbrücken. “Vielleicht endlich mal die Bücher?”, schlägt Julia vor. Alex nickt und Hanna zeigt auch den Daumen hoch. Dirk überlegt: “Ein Herbst-Großprojekt wollt ihr also starten.” “Mit Michael auf jeden Fall”, meckert Julia. “Bei der Menge könnt ihr auf gar keinen Fall alle einzeln in die Hand nehmen”, stellt Dirk fest.
Ein Rabe schaut sich auf der Wiese um und fliegt dann davon. “Stehen diese Rabenvögel nicht für Bücherweisheit?”, fragt Alex in die Runde. “Hä?” Julia schaut Alex kopfschütteln an. “In der Tat spielt bei der Buchauswahl normalerweise diese Bücherweisheit eine große Rolle”, erklärt Dirk. “Oh ha, jetzt droht der Vortrag zum Buch.” Julia schaut dabei auffällig in die leere Kaffeetasse. “Hatte ich jetzt nicht vor, aber wenn du drauf bestehst, dann muss ich wohl.” Alex bringt den Kaffee und stellt die Haferkekse auf den Tisch. “Packst du das in sieben Minuten?”, fragt er Dirk. “Und du schreibst mit”, sagt er zu Julia. “Hää? Wieso?” “Wer sich so anbietet”, dabei legt er Julia Zettel und Stift hin und den Kaffee daneben. Sie schreibt und liest langsam mit: “B-ü-c-h-e-r e-n-t-s-o-r-g-e-n. So, fertig.” “Schön wär's", sagt Dirk. “Aber hier fängt das Problem schon an. Bücher einfach wegwerfen?” “Das kann ich auch nicht”, platzt es aus Hanna heraus. “Du musst dir dabei bewusst werden, ob du das geistige Wissen entsorgst oder das Papier, auf dem dieses Wissen einmal mehr hinkopiert wurde.” “Mmh.” Hanna schaut zur Decke. “Bei der Bücherverbrennung im Dritten Reich ging es um die Vernichtung geistigen Wissens und das Verschwinden der Verfasser davon”, erklärt Dirk. “Ja, das steckt tief in unserer Gesellschaft fest”, ergänzt Hanna. “Bei unserem Loslassen hier geht es um das Papier der Kopien, also um reines Material, welches auch nicht entsorgt, sondern recycelt wird”, erklärt Dirk weiter. “Transformation”, ruft Julia dazwischen. Alle schauen sie an. “Na aus der Klo-Lektüre wird dann das Toilettenpapier. Kurze Wege.” Schweigen.
“Wenn euch das gelingt, den Papierwert von Büchern anzuerkennen, dann spart euch das viel Zeit und Energie. Meist drängt es einem ja doch, die Bücher noch für ein paar Cent oder geschenkt loswerden zu wollen”, vermutet Dirk. Hanna fühlt sich ertappt, sagt aber nichts dazu. “Und welche behalten wir nun?”, fragt Alex. “Eine Möglichkeit wäre, dass jeder 20 Lieblingsbücher auswählt.” “Dann haben wir 80 Bücher im Haus”, stellt Alex fest. “Und alle unentschlossenen kommen wo hin?”, fragt Dirk “In die ‘Weiß-nicht-Box’ Herr Lehrer”, antwortet Hanna mit piepsiger Kinderstimme. “Die liebe Weiß-nicht-Box”, wiederholt Julia mitschreibend. “Dann müssen wir auch nicht alle zur gleichen Zeit in den Büchern wälzen”, stellt Alex fest. “Ihr könnt ja ne Deadline festlegen und an dem Tag die Entsorgung zusammen angehen”, schlägt Dirk vor.
Denkt ihr, dass Michael das mitmacht?”, fragt Hanna. “Er muss!”, stellt Julia fest. “Ist doch überstimmt.” “Ich rede mit ihm”, sagt Alex. “Ihm wird das bestimmt schwer fallen”, vermutet Hanna. “Ihr könnt ja auch ne Liste anlegen und alle Bücher eintragen, die ihr vielleicht nochmals lesen wollt”, schlägt Dirk vor. “Dann schaut ihr, was diese in der Wiederbeschaffung kosten würden und entscheidet euch dann für behalten oder die Weiß-nicht-Box.” “Klingt gut”, freut sich Hanna. “Was sagst du, Julia?” “Ich sag nix. Sonst muss ich die auch noch führen.”
“Sag mal”, Hanna schaut Dirk an. “Was ist denn, wenn doch das ein oder andere Buch noch was wert ist? Schließlich waren einige ja mal echt teuer.” “Dann verpackst du die Bücher in Kisten, schleppst sie ins Auto, fährst zum Antiquariat und lässt sie dort durchschauen.” “Okay, das klingt doch gut”, freut sich Hanna. “Von den ganzen Kisten nimmt das Antiquariat sicher gerne 5 - 10 Bücher für ganz kleines Geld an. Die anderen Kisten voll schleppst du dann wieder ins Auto, fährst zur Bibliothek und stellst fest, dass sie ‘leider keine annehmen’. Die örtliche Büchertelefonzelle quillt schon über, das siehst du im vorbeifahren. Aber das Sozialkaufhaus, dort machst du Stopp. Die sagen vielleicht, lass stehen. Fühlt sich das gut an? Nein. Oder sie winken gleich ab. Also geht’s zurück nach Hause. Du nimmst dein Handy raus und scannst die Bücher mit der Momox App (momox.de). Frustriert brichst du nach einer Stunde ab. Zwei Kisten sind gescannt. Ertrag: € 16,75” “Ich hab’s schon bei der Bibliothek begriffen”, sagt Hanna vorsichtig.
“Hanna hat es jetzt auch begriffen”, schreibt Julia und setzt einen dicken Smiley daneben.
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