Hey,

hier kommt dein OrdnungsLetter im August. Viel Spaß beim Lesen🙂

Minimalismus auf Reisen

Julia kniet auf ihrem Rucksack. Sie presst mit ihrem ganzen Gewicht die Klamotten nach unten, doch der blöde Reißverschluss will einfach nicht zugehen.

“So eine Urlaubsreise ist eine Einladung zum Minimalismus”, sagt Hanna kopfschüttelnd. Ihr Backpack ist etwas mehr als halbvoll und wartet bereits an der Tür entspannt auf die Abreise.

“Diese Lasten schleppst du niemals über die Berge, oder hast du nen Esel gebucht, von dem ich nichts weiß?”
“Sehr lustig”, reagiert Julia genervt. “Aber ich brauch das doch alles. Was machst du denn, wenn es heiß, kalt, nass oder stürmisch wird?”
“Hey, wir fahren nach Irland, nicht an den Polarkreis”, entkräftet Hanna die Argumente. “Und für alle anderen feucht-kühlen Wettererscheinungen hab ich ne Regenjacke und nen Fleecepulli dabei.
Julia zuckt ratlos mit den Schultern, als es plötzlich klingelt.

“Du kommst genau richtig”, hört Julia. “Wir haben hier einen Problemfall in Sachen Reisegepäck.”
Die Stimmen kommen näher.
“Vielleicht hast du ja ne Lösung.” Hanna zeigt auf Julia’s halboffenen, prall gefüllten Rucksack.
“Damit willst du zwei Wochen wandern?”, fragt Dirk.
“Wir wandern ja nicht mit dem Gepäck. Das bleibt im Hostel!”, verteidigt sich Julia.

“Vorschlag: Pack doch alles nochmal aus und lege die Sachen nebeneinander auf den Fußboden. Dann schauen wir mal weiter”, schlägt Dirk vor.
“Oh ja, das interessiert mich auch”, sagt Hanna.
“Hey, das ist hier kein Reality-TV, wo das kleine Dummerchen von dem großen Meister die Welt erklärt bekommt und aus ihrer Misere gerettet wird”, faucht Julia.
“Ich könnte das auch aufnehmen. Am Ende bist du dann vom Ergebnis zu Tränen gerührt”, schlägt Hanna vor und wird sofort des Platzes verwiesen.
“Kaffee machen in der Küche”, befiehlt Julia. “Es eilt nicht!”, schiebt sie noch hinterher.

“Okay. Sorry.” Entschuldigt sich Dirk. “Lass einfach mal gemeinsam schauen, was vielleicht Zuhause bleiben könnte. Und wenn es dir mit mir zu oberlehrerhaft wird, gibst du einfach ein Zeichen.”
Julia nickt und reiht ihre Sachen nacheinander auf. 10 Paar Socken, 10 T-Shirts, vier Hosen, drei Bücher, die Wanderschuhe füllen den Fußboden.
“Ich bin recht beeindruckt, wie du das alles in den Rucksack bekommen hast”, sagt Dirk prüfend. Julia gibt vorsichtshalber schon mal das vereinbarte Zeichen.
Dann zieht sie noch einen Schlafsack aus den Tiefen Ihres Rucksacks.
“So, das war’s.”

Schweigend schauen beide auf die Landschaft der Dinge.
“Na ja. Vielleicht braucht es ja für die zwei Wochen Irland doch nicht alles, was hier liegt”, räumt Julia ein.
“Was wollt ihr denn so machen?”, fragt Dirk.
“Wandern, entspannen, ein bisschen Dublin. Urlaub halt.”
“Bleibt ihr immer mal wieder für mehrere Tage an einer Unterkunft?”
“Auf jeden Fall. Ist ja keine Pilgerreise.”
“Dann ist waschen möglich, in Hostels sowieso.”
Julia nickt. 
“Dann muss die tägliche Wechselkleidung nur für die Tage zwischen den Waschmaschinen reichen. Sagen wir dreimal waschen?”, fragt Dirk.
“Ja, das geht bestimmt”, überlegt Julia.
“Also maximal viermal Unterwäsche und eine Hose als kurz-lang-Kombination. Schlafsachen, Wanderkleidung und Regenjacke. Ein Pullover für die möglicherweise frischen Tage, Kulturbeutel, Badelatschen und ein kleines Handtuch, für den Fall, dass dies vor Ort mal nicht vorhanden ist”, zählt Dirk auf.
“Mhh.” Julia kratzt sich am Hinterkopf.

"Hörbuch auf’s Handy. Wasserflasche reicht aus dem Supermarkt vor Ort”, dabei stellt Dirk die Trinkflasche beiseite.
Julia schaut ungläubig auf das kleine Reisehäufchen, das nun übrig geblieben ist.
“Der Schlafsack fehlt noch”, stellt Julia fest.
“Hostels haben in der Regel Bettzeug.”
“...in dem schon Tausende vorher drin geschlafen haben”, kontert Julia.
“Für alle hygienischen Bedenken würde ich einen Bettbezug mitnehmen, in den du dann reinschlüpfen kannst.”

Die Unterwäsche wurde nun in einen quietschgrünen Beutel verstaut. Jedes Teil bekam im Rucksack seinen festen Platz. Der Technikkram hatte sich ein Extrafach erkämpft. Das obere Viertel des Rucksacks war noch leer. Das erstaunt nun auch Julia und Hanna macht genau da ein Foto.
“Dann kann das Abenteuer Minimalismus beginnen.” Sie nimmt erst mal einen Schluck vom Kaffee. Ganz überzeugt klingt das noch nicht.

Drei Wochen später sitzen alle wieder zusammen unter dem Kirschbaum im Garten. Hanna und Julia erzählen begeistert von ihren Erlebnissen.
“Und, hat was gefehlt im Reisegepäck?”, fragt Dirk gespannt.
Julia schüttelt den Kopf. “Vier Teile hatte ich gar nicht gebraucht”, sagte sie kurz. Dann ging es schon mit dem nächsten Erlebnis weiter: “Dieser Typ. Völlig irre…”
“Guiness! Das ist eklig. Schmeckt wie verdünntes Maggi-Gewürz…”
“Das kannst du so nicht sagen…”

Herzliche Grüße

Dirk

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Und, steht der Urlaub noch bevor? Eine Vielzahl an Tipps rund um das Thema Reisegepäck findest du im Blog von Dancing Spaces. Minimalistisch reisen, Packtechniken und vieles mehr findest du dort.
Auch im Buch "Let's guide" findest du am Ende verschiedene Packlisten (Checkliste 10, 11, 12) für deine Wander-, Rad- oder Kanutour.

Ordnung unterwegs

Dirk Brueckner
Inhaber von Dancing Spaces
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